Krankenpflegeverein

 

 

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war „Krankenversicherung” für die meisten Menschen hierzulande ein Fremdwort. Die Katastrophe des 1. Weltkriegs und die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche der Nachkriegsjahre prägten die Epoche. In dieser bewegten Zeit liegt die Geburtsstunde vieler Krankenpflegevereine unserer Diözese. Oftmals waren engagierte Ortspfarrer die Initiatoren der Vereinsgründung. Sie erfuhren, wie wichtig es war, ambulante Krankenpflege in der Pfarrei anzubieten. Schließlich konnten sich viele Menschen damals keinen Arzt leisten. Sie halfen vielen Leiden mit oft unzulänglichen Hausmitteln ab. So ging man vielerorts auf die Suche nach Ordensfrauen für die ambulante Krankenpflege. Nach Wemding kamen die Schwestern aus dem Orden der „Vinzentinerinnen”.
Viele Jahrzehnte taten dann die Ordensschwestern ihren Dienst, zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter zu Fuß und auf dem Fahrrad. In manchen Ortschaften standen den Ordensfrauen Helferinnen zur Seite. Die Krankenschwestern in Ordenstracht gehörten zum Ortsbild, ihr Dienst war nicht mehr wegzudenken, lief zuverlässig wie ein Uhrwerk und ganz selbstverständlich.

Impuls aus Verband, Vereine zu Trägern zu machen
In den Sechziger und Siebziger Jahren litten die sozialen Frauenorden zunehmend an Nachwuchsmangel. Es wurde immer schwieriger, die ambulanten Krankenpflegestationen der Pfarreien zu besetzen. Der Caritasverband der Diözese Eichstätt erkannte damals das Gebot der Stunde. Von ihm gingen Impulse in die Pfarreien hinaus. Auf lokaler Ebene fielen diese Anregungen auf fruchtbaren Boden. So trugen viele engagierte Ehrenamtliche vor allem in den achtziger Jahren dazu bei, Krankenpflegevereine als künftige Träger von Sozialstationen wieder zu gründen oder neu zu beleben. Die Arbeit der Ordensfrauen in der ambulanten Pflege und das Vereinsleben der Krankenpflegevereine verlief unspektakulär. Die junge Generation weiß oft nichts mehr von dem einst wichtigen Dienst der Krankenschwestern in der Ordenstracht. Die Namen und die Leistung vieler Ordensfrauen, die manchmal über vierzig Jahre fast unentgeltlich ihren aufreibenden Dienst taten, geraten in Vergessenheit. Die auch aus der großen Tradition begründete Bedeutung der Krankenpflegevereine wird vielerorts nicht mehr gesehen.

Eigenleben mit interessanten Angeboten entwickelt
Die Krankenpflegevereine verstanden den Ruf der neuen Zeit. Als Träger machen sie die unentbehrliche Arbeit von achtzehn Sozialstationen in der Diözese Eichstätt erst möglich. Gerade der Wemdinger Krankenpflegeverein entwickelte auch ein beachtliches Eigenleben mit verschiedenen wichtigen und interessanten Angeboten. Z. B. beteiligen sich derzeit über 100 Mitglieder des Vereins in insgesamt 4 Gruppen bei der Seniorengymnastik. Von Informationsabenden bis zu Kursangeboten wie z. B. Wirbelsäulengymnastik, Nordic Walking über Studienfahrten usw. reicht die Palette der Vereinsangebote!